Die Zukunft hinter uns: 2033



Aufgrund eines Blicks in die Vergangenheit habe ich Wünsche für die Zukunft und möchte davon hier ein Bild zeichnen, der Zukunft in 12 Jahren, in der Jubiläen anstehen;: 2000 Jahre Tod und Auferstehung Jesu von Nazareth - für uns alle - und das Jubiläum der Aussendung seiner Nachfolger zu allen Völkern der Welt, um ihnen diese frohe Nachricht zu bringen.

Seit vielen Jahren gibt es eine internationale Gruppe von Christen um den Schweizer Olivier Fleury, die durch Treffen und die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters versuchen, Ostern 2033 jetzt schon ins Bewusstsein zu rufen, um die Zeit bis dahin für gemeinsames Nachdenken und Vorbereitungen zu nutzen und das Osterfest 2033 möglichst weltweit gemeinsam zu feiern. Es ist eine Vision, etwas bisher noch nicht Sichtbares.

Vieles spricht bisher dagegen, dass es zu solchen gemeinsamen weltweiten Osterfeiern kommen wird:

Da sind unsere Sorgen, mit denen wir zurzeit beschäftigt sind, die uns abhalten soweit zu denken. Zuerst einmal müssen wir die Corona-Pandemie überstehen.

Dazu kommen die Anklagen wegen des Umgangs mit der Schuld in der Vergangenheit, wie sie insbesondere die Katholische Kirche nun schon mehr als zehn Jahre wegen der Missbrauchsfälle beschäftigten. Wie wird es überhaupt mit der Kirche, den Priestern und Gemeinden weitergehen?

Viele kleine Gemeinden der sogenannten „Freikirchen“, wissen nicht ob sie in 10 Jahren überhaupt noch existieren werden. Es gibt unter den Mitgliedern viel Bewegung, da ziehen viele weg, Jugendliche fangen an zu studieren, gründen ganz woanders Familien, die Alten und manchmal auch jüngere Aktive sterben. Die finanziellen Mittel sind unsicher. Wird man noch die Miete bezahlen können? Man ist dankbar für jedes weitere Jahr. Ähnlich sieht es bei vielen evangelische Gemeinden der deutschen Landeskirchen aus. Seit vielen Jahren nimmt die Zahl ihrer Mitglieder ab. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist vielerorts gegenüber der im Vergleich immer noch hohen Mitgliederzahl beschämend.

500 Jahre Reformation haben wir groß, feiern wollen. Es war schön, für die, die dabei waren, aber überdimensioniert angesichts völlig überzogener Erwartungen, wie viele Besucher kommen würden. Dazu kam der verregnete Sommer 2017 und ein Minus in den Kassen der Beteiligten.

So gibt es also bisher bei uns in Deutschland, soweit ich weiß, noch keine konkreten Bemühungen, soweit voraus zu planen. Aber ein Blick „nach vorn“ in die Vergangenheit der letzten 100 Jahre lässt mich zuversichtlich sein. Die katholische Kirche hat weltweit 1933 das 1900 - jährige Jubiläum der Auferstehung Jesu gefeiert und 1983 das 1950-jährige. Es ist also konsequent, im Jahr 2033 das 2000 -Jährige zu feiern. Da das dann eine so hohe runde Zahl ist, dazu angesichts unserer ansonsten gefeierten Jubiläen sehr selten, kann man erwarten, dass das Jubiläum zumindest von der Katholischen Kirche öffentlichkeitswirksamer begangen wird, als in den beiden bisherigen Festjahren.

Doch sind wir Christen weltweit durch unterschiedliche Kalender und verschieden Rechenarten seit Jahrhunderten uneinig. Auch darüber müssten wir uns also in den nächsten Jahren unterhalten und uns einigen, falls wir, wie gewünscht, gemeinsam feiern wollen.

Zuerst einmal aber:

Warum feiern wir im allgemeinen Jubiläen/ Geburtstage / Todestage / Ereignisse?

Wie die Feier der 500 Jahre Reformation gezeigt hat, tun wir das zum Beispiel um unsere eigene Bedeutung herauszustellen. Schließlich sind wir immer noch nicht als Kirche vom Papst anerkannt, obwohl es doch auf Gemeindeebene und darüber hinaus so vielfältige Formen der gleichberechtigten Zusammenarbeit inzwischen gibt, aber nicht die offiziell genehmigte Gemeinschaft am Tisch des Herrn bei der Eucharistie.

Nun ist das Jubiläum der Reformation schon mehrfach gefeiert worden und man wollte es dieses Mal besser machen und es nicht für nationalistische Bestrebungen missbrauchen. Gezeigt wurde die weltweite Gemeinschaft reformatorischer Kirchen. Man steht beim Feiern also in einer bestimmten Traditionslinie, die man fortführen oder bessern möchte, um Einseitigkeiten oder Schuld in der Vergangenheit zu vermeiden.

Nun, im Blick auf die 2000 Jahr Feier der Auferstehung Jesu gibt es bis auf die beiden, damals für die Öffentlichkeit außerhalb der katholischen Kirche in den Zeitereignissen untergegangenen Jubiläen keinen Vorläufer, denn eine 1000 Jahrfeier hat nicht stattgefunden, da sich aufgrund anderer Zeitrechnungen damals keiner bewusst war, dass dieses Jubiläum anstand.1

Bekanntlich ist jedes Jubiläum, sofern jemand daran denkt, ein Anlass, Geschichte ins Gespräch zu bringen. Ausstellungen werden erarbeitet und durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit hofft man auf Interesse von Besuchern und die Erhöhung ihrer Zahl, der Touristen. Man hat oft die Möglichkeit, Fördergelder zu beantragen, Restaurationen an Gebäuden durchzuführen, ganz Städte zu sanieren, eine Infrastruktur aufzubauen, wenn das Jubiläum nur groß genug ist. Das alles würde sich im Blick auf das Oster-Jubiläum nur in Israel durch erhöhte Touristenzahlen auswirken, bei aller Unsicherheit, wie die politische und Sicherheitslage dann da sein wird und welche Besucherzahlen dort überhaupt angesichts der Größe/ Kleinheit des Landes zu verkraften sind. Das scheidet hier also als Grund für uns aus, denn wir regen an, lokal im jeweiligen Wohnort zu feiern.

Aber natürlich ist es auch unser Anliegen, Jesus, sein Leben, Sterben und Auferstehen, seine Botschaft und Bedeutung für jeden Einzelnen von uns ins Gespräch zu bringen. Das ist unser Auftrag: „Gehet hin zu allen Völkern...“ - nur darum können wir es feiern, weil dieser Auftrag an uns hier in Deutschland schon vor mehr als 1000 Jahren erfüllt wurde. Doch noch immer gibt es genug kleine Völker, die seine Botschaft noch nicht in ihrer Muttersprache lesen oder hören können.

Auch muss jeder Generation neu von ihm berichtet werden. Vor allem junge Menschen sind heute sehr von den Medien und dem, was öffentlich etwas gilt, beeinflusst und weniger von der Familie als in früheren Zeiten. Darum ist auch für uns Christen die Öffentlichkeit der Medien sehr wichtig. Nun sieht es da im Blick auf Jesus sehr traurig aus. In den Medien mit seriösen Namen dominieren kirchenkritische Sendungen und Artikel bis hin zu solchen, die scheinbar historisch bestens gebildet alles infrage stellen.

Dazu gibt es wohlgemeinte Sendungen und Formate von Christen, die davon ausgehen, so wie es in der Bibel dasteht, war es. Die sich aus dieser Herangehensweise ergebende Widersprüche werden negiert, nicht nur die historischen Widersprüche, sondern was schlimmer ist, der Zweck der biblischen Schriften. Gott will uns durch sie je persönlich für unser Leben Orientierung geben und zeigen, wie er uns beschenkt hat durch das, was er uns durch Jesus gezeigt hat, sich selbst, und wie er durch diese uralten Schriften heute zu uns, den Erwachsenen mit all unseren Problemen, Wünschen und Hoffnungen redet. Statt darauf zu hören und dem nachzufragen, versuchen strengen wir Erwachsene uns heute an, die biblischen Erzählungen unseren Kindern zu erzählen, obwohl sie doch für Erwachsene aufgeschrieben wurden. Viel Interessantes und Wichtiges für das Verständnis muss so weggelassen und vereinfacht werden. Es gibt unzählige Kinderbibeln und Zeichentrick- und andere Filme im Internet für Kinder, die den Erwachsenen suggerieren, dass die Bibel etwas für Kinder sei und nicht ernstzunehmen.

Wie auch sonst in der Gesellschaft versuchen wir durch Einfluss auf die Kinder zu erreichen, dass sie es künftig besser machen, als wir es bisher geschafft haben, indem wir sie frühzeitig entsprechend ausbilden. Wir haben zu wenig Nachwuchs in unseren Gemeinden und Kirchen. Sie altern. Also müssen wir uns verstärkt um die Kinder bemühen, damit sie in unsere Gemeinschaft hineinwachsen. Es ist gut, viel Zeit für unsere Kinder und Enkel zu haben, aber zu hoffen, dass sie die Problem lösen, die wir selbst nicht in den Griff bekommen, ist ein Irrweg. Daran müssen wir Erwachsene schon selber arbeiten und ihnen ein Vorbild werden. Damit würden wir bei Ihnen viel mehr erreichen, als mit theoretischer Bildung und schönen Bilderbüchern und Filmen.

Ein Jubiläum, wie das anstehende, kann dazu dienen, sich solchen bisher unbefriedigend behandelten und untersuchten Problemen zuzuwenden. Was ist passiert undpassiert und was soll nur so passiert sein, damit das Ergebnis dann in unser Weltbild und zu unseren Interessen passt?

Geschichte, Vergangenheit ist schließlich immer wieder wie ein Selbstbedienungsladen mit Begründungen für das eigene Weltbild und Putschmittel für das eigene Selbstbewusstsein. Wenn das dann am Ende ist, wie 1918 für unseren Kaiser Wilhelm II. nach 504 Jahren preußischer Monarchie und stetig wachsendem Einfluss und Territorium, nach 12 Jahren Nationalsozialismus 1945 oder 1989 nach 40 Jahren Sozialismus in der DDR - also allein dreimal in einem Jahrhundert bei uns hier in Berlin -, dann wird das alte sehr schnell ad acta gelegt und nach Ersatz dafür gesucht. Denn ohne die psychologisch stabilisierende Wirkung eines Weltbildes, das ich mit anderen teile, lebt es sich schwer.

Doch gab es daneben immer auch eine kritische Geschichtsschreibung, für die die Bibel ein Vorbild ist, durch das Nebeneinanderstehen von verschiedenen Sichtweisen auf dasselbe Geschehen, also das der Chronikbücher neben den Königsbüchern bis hin zu den vier so unterschiedlichen Evangelien als Erzählungen des Lebens Jesu gleichberechtigt nebeneinander

Solche kritische Geschichtsschreibung kann nur derjenige unternehmen, der bereit ist, dort nicht nur Bestätigungen zu finden für das, was er sowieso schon meint zu wissen, sondern auch Überraschungen zu erleben, dort Menschen zu begegnen wie du und ich, aber unter ganz anderen Verhältnissen als einen Spiegel unserer selbst: diesem Petrus, der mit dem Mund vorneweg ist, aber als es darauf ankommt, feige, diesem so talentierten David, der Karriere macht und dann mit den eigenen Kindern nicht fertig wird, dem verzweifelten Jeremia, der mit seinen Warnungen nichts ausrichtet, der Hannah und der Elisabeth, die sich so sehr ein Kind wünschen und vielen, vielen anderen.

1 Vgl. meine Tabelle im Artikel: Der Zeitstrahl – Ostern und die Null, S. 7ff ; Vgl. die ARD Sendung auf Phoenix vom 10.4.2020: „Zeitreise - Die Welt im Jahr 1000 Die Menschheit nach dem ersten Jahrtausend“ | phoenix: https://programm.ard.de/TV/phoenix/zeitreise---die-welt-im-jahr-1000/eid_287252869144046